Saints Row

Sieht aus wie Grand Theft Auto: San Andreas, hört und schmeckt auch so, aber wie spielt es sich?
Als wäre es Gestern - ich erinnere mich noch genau - da bin ich durch die Mienen der Ultor Company auf dem Mars geschlichen und war Teil einer virtuellen Revolution. Das Spiel von damals hieß Red Faction und stammt von Volition. Es nur eine Frage der Zeit bis mir ein neuer Titel der Entwicklerschmiede in die Hände fiel: Saints Row war einer meiner ersten Titel für die Xbox360 und trotzdem hat es fast 2 Jahre gedauert bis ich den Abspann von dem Spiel gesehen habe.
Ich muss gestehen, schon vor Saints Row kannte ich einige Xbox360 Titel und war mit der GTA-Serie gut vertraut. Da hat es natürlich nicht lange gedauert bis ich die ersten Schwächen in Saints Row gesehen habe. Allen voran die schlechte Fahrzeugphysik und ständigen Framerateeinbrüchen waren die Gründe weshalb ich das Spiel immer wieder zurück nach hinten in die Sammlung wandern ließ.
Zwei Jahre, eine Empfehlung und unzählige begeisterte Forenbeiträge später habe ich einen neuen Versuch gestartet. Saints Row wollte ich endlich durchspielen, um jeden Preis, selbst wenn es mich alle verbliebenen Nerven kosten sollte. Schlimmer als Ninjabread Man konnte es kaum werden, tatsächlich wurde ich von dem Spiel gegen Ende nicht enttäuscht.
In Saints Row übernimmt man die Rolle eines selbst gebastelten Protagonisten. Die Auswahl ist in diesem Fall wirklich sehr groß, von der Augenbrauen-Größe bis zu den Wangenknochen ist alles dabei. Obwohl das Aussehen des virtuellen Protagonisten keine größere Rolle im Spiel einnimmt, ist es doch interessant zu sehen welche Auswahlmöglichkeiten man zur Verfügung hat um sein Alter-Ego am besten zu verunstalten. Somit war mein virtueller Gangster sicher nicht das schönste Exemplar, schief angeguckt oder auf meinen unförmigen Charakter angesprochen wurde ich im Spiel aber nie.
Kaum ist der virtueller Charakter im Spiel geht es mit der Geschichte auch schon los: In der Stadt Stillwater wird man zu Beginn von dem Anführer der Third Street Saints gerettet. Dieser verkündet später, er möchte Stillwater mit seiner Gang übernehmen und die feindlichen Gruppierungen vertreiben. Natürlich nur damit die Bandenkriege zwischen den Vice Kings, den Los Carnales, den Westside Rollerz und selbstverständlich auch den Third Street Saints ein Ende haben. Soweit der dünne geschichtliche Hintergrund um sich mit den restlichen Gangs zu verfeinden. Glücklicherweise zieht die Handlung mit der Zeit etwas an und endet mit einem großen Knall.
Die Steuerung in Saints Row erinnert stark die alten GTA Teile auf der Playstation2. Das sorgt besonders zu Anfang für Verwirrung da man nicht wie auf der Xbox360 und PS3 üblich mit den Trigger-Tasten hinten am Pad Gas und Bremse betätigt. Trotzdem bedarf es keiner großen Eingewöhnungszeit bis man alle wichtigen Steuerelemente auf den Punkt genau ausführen kann.
Aber nicht nur die Steuerung wurde von der GTA-Serie übernommen, praktisch alle wichtigen Elemente hat man schonmal in San Andreas gesehen. Leider macht das Saints Row nicht zu einem besseren Spiel, Stillwater wirkt künstlich, manche Gebäude halbherzig eingebaut und es kommt oft zu Grafikfehlern. Fährt man beispielsweise auf der Autobahn oder in der Innenstadt zu schnell, kann es auch mal passieren dass das Fahrzeug beim Wechsel zum nächsten Stadtteil für ein paar Sekunden auf der Stelle stehen bleibt oder Gebäude erst sehr spät ins Bild rutschen. Dies kann innerhalb der Aufträge im Spiel die Nerven strapazieren, der Fehler ist aber die Ausnahme und kommt zum Glück nur selten vor.
Schlimmer sind dagegen schon die Einbrüche der Framerate, das besonders beim Auto fahren auffällt und praktisch beim abbiegen immer zu sehen ist. Das war ein Grund weshalb ich mich zu Anfang nie lange mit Saints Row beschäftigen wollte, selbst eine umfangreiche Reinigung der DVD hat nicht geholfen. Wer mit der Framerate noch leben kann, der wird sich über fehlende Speicherpunkte innerhalb der Missionen vielleicht ärgern. Ein kleiner Fehler am Ende einer Mission genügt und man darf von vorne beginnen.
Bei der ganzen negativen Kritik übersieht man aber schnell die positive Seite von Saints Row. An der Stelle bei der San Andreas aufhörte, setzt der Klon an und bietet ein paar erfrischende Ideen. Anstatt wie in der GTA-Serie den Handlungsstrang blind zu folgen, muss man sich in Stillwater erst den nötigen Respekt verdienen und sich bei den Nebenaktivitäten bedienen. Von dem Autodiebstahl, Auftragsmörder bis zum Chauffeur für Sex besessene Promis ist die Auswahl schier unendlich. An dieser Stelle merkt man auch deutlich weshalb es von dem Spiel eine für den deutschen Markt angepasste Version gibt. Bei Amokläufen (Vandalismus-Aktivitäten) und Auftragsmorde hat man bei der USK sicher nichts zu lachen gehabt.
Im Gegensatz zu San Andreas ist Stillwater sofort komplett befahrbar, es wird auch kein roter Fanden bei der Missionswahl vorgegeben. Es ist egal mit welcher Gang man sich als erstes anlegt solange man genügend Respekt verdient hat. Ein richtiger Gangster benötigt neben dem Respekt aber auch noch durchschlagende Waffen als Argument. Leider sind die Waffenshops in diesem Fall nicht sehr spendabel und verkaufen die Knarren zu Wucherpreisen.
Wer sich nicht mit Aufträgen und Aktivitäten quälen möchte, der kann sich auch an Festungen versuchen. Eine Festung ist ein Gebäude oder ein Gelände in einem Stadtteil den es zu erobern gilt. Ist die Festung erstmal gestürmt, gehört einem auch gleich der Stadtteil und dessen tägliche Einnahmen. Ein großes Ganggebiet löst demnach das Geld-Problem und vereinfacht zudem die Missionen im Spiel da sich in den eroberten Stadtteilen vermehrt befreundete Gangmitglieder tummeln.
Das Radio in Stillwater ist abwechslungsreich und zugleich nervtötend. Von Klassikern bis zu modernen Songs ist alles dabei. Aber sieht man mal von den Rap-Titeln ab, von denen ich keine Ahnung habe, finden sich kaum Titel mit Rang und Namen im Radioprogramm. An dieser Stelle bietet GTA die bessere Mischung und geht auch weniger auf die Nerven.
Fazit
Saints Row bietet eine unterhaltsame Mischung und kann für einige Stunden begeistern wenn man sich darauf einlässt. Besonders der spätere Handlungsverlauf und die freie Missionswahl hat mir gefallen. Dafür muss man allerdings über die Schwächen wie Framerate-Einbrüche und fehlender Speicherpunkte hinwegsehen. Fans der GTA Serie sollten daher um diesen Titel aber einen großen Bogen machen. Die GTA-Serie bietet mit dem 4. Teil eine inzwischen bessere Alternative das sich im Preis/Leistungsverhältnis eher lohnt. Sparfüchse und Freunde von Fun-Shooter sollten vorher unbedingt auf Probe spielen.
6 von 10 Respektpunkte
Kategorie(n): Review, Telespiele
Unter den Tags: Gta, Open World, Review, San Andreas, Third Person, THQ
