Ace Combat 6: Fires of Liberation

Über den Wolken, da muss das Kampfgeschehen doch grenzenlos sein. Ace Combat 6 auf dem Prüfstand.
Ein schier endlos großer Luftraum erstreckt sich vor mir, die Sonne scheint und es sind nur wenige Wolken am Horizont zu erkennen. Es ist kein Vogel weit und breit zu sehen während ich langsam über die Berge gleite und die Aussicht genieße. Die perfekte Voraussetzung für einen kleinen Abstecher in die tiefen Schluchten und Täler die mich gleich erwarten werden, denn dort wartet schon der Feind auf mich.
Mein letztes Videospiel das ansatzweise dem Gameplay eines Arkade-Kampfjet Spiels wie Ace Combat 6 erinnert war eine Filmversoftung zu Independence Day für PSOne. Selbst wenn es zur damaligen Zeit schon bessere Spiele für einen Abstecher in den virtuellen Luftraum gab, habe ich mich erst kürzlich wieder dazu entschlossen eines solcher Titel für die aktuelle Hardwaregeneration zu besorgen. Da kam mir ein vorweihnachtliches Angebot bei Amazon gerade recht und ich griff ohne zu zögern gleich zu.
Seit meinen ersten Flugstunden auf der PSOne hat sich einiges getan. Waren früher noch X und Viereck für Beschleunigung und Bremsung, sind heute die Schultertasten (Trigger) am 360 Pad dafür zuständig. Wie bei einem Rennspiel kann man je nach Druckauswirkung auf den Triggern entsprechend langsam oder schnell ein Flugmanöver durchführen. Zusätzlich kann man mit den übrigen zwei Schultertasten die Flugrichtung leicht beeinflussen und korrigieren. Ansonsten wird mit dem linken Analogstick gelenkt während der rechte Stick zum justieren der Kamera seine Dienste verrichtet.
Was sich vielleicht schon jetzt ziemlich kompliziert anhören mag, ist in Wirklichkeit ganz schnell gelernt und bei genauerer Betrachtung ein Kinderspiel. Trotzdem war ich froh dass Ace Combat ein umfassendes Tutorial anbietet, andernfalls wäre ich vermutlich schon bei der ersten Missionen gescheitert. Ein bisschen Fingerspitzengefühl bei der Lenkung eines Kampfjets ist durchaus nötig.
Bestanden Gebäude in alten Flugspielen meist nur aus matschigen Bodentexturen und symbolisierten Feine nur einen roten Punkt auf dem Radar, so hat sich in den letzten 10 Jahren tatsächlich nicht viel getan. Zumindest sind die Bodentexturen heute nicht mehr ganz matschig, vereinzelte Gebäude bekamen sogar ein schlichtes 3D Modell spendiert. Ab einer bestimmen Flughöhe lässt sich sogar von einer wunderschönen Landschaft schwärmen.
Trotz dieser kleinen Gemeinsamkeiten aus Spielen vergangener Tage hat sich die Grafik in Ace Combat 6 drastisch verbessert. Wenn man erst einmal in der Luft ist, möchte man nicht mehr so schnell landen. Das liegt mitunter an den schönen Wolkenformationen und den Abschussanimationen des eigenen Kampfjets. Schießt man zum Beispiel eine Rakete in Richtung feindliches Radarflugzeug, zieht diese Rakete eine schöne Spur weißen Rauchs hinter sich her - was besonders bei größeren Gefechten einen positiven Eindruck hinterlässt. Während sich diese Rakete in Richtung ziel bewegt, sieht man auf dem Bildschirm in Form eines kleinen Minidisplays am Bildschirmrand den anvisierten Gegner bzw. dessen Zerstörung.
Leider bietet die Geschichte welche in Ace Combat 6 von verschiedenen Personen erzählt wird, nicht ganz so viel Tiefgang und wird zudem noch ausgesprochen emotionslos vorgetragen. Im Kern der Geschichte geht es um den Konflikt zweier Nationen (Estovakia und Emmeria). Die Hauptstadt Emmerias “Gracemeria” ist dabei der Dreh und Angelpunkt, sie wird zu Anfang der Geschichte angegriffen und von den Estovaken besetzt. Auf Seite der Kampfflotte von Emmeria gilt es nun, das stark angegriffene Heimatland bis zur Hauptstadt zurückzuerobern.
Nach jeder erfolgreich absolvierten Mission gibt es eine kurze Rendersequenz die den Plot voran treibt. Zu Anfang funktioniert dieses Vorgehen kombiniert mit den verschiedenen Blickwinkeln der in den Krieg verwickelten Parteien auch ziemlich gut. Gegen Mitte des Spiels werden die kurzen Filme aber schnell langweilig, zum einen da die Figuren in der Geschichte nur selten etwas interessantes zu sagen haben, zum anderen da sich die Hintergründe und Bewegungsabläufe dieser fast regelmäßig wiederholen. Ich kann mir gut vorstellen dass Namco an dieser Stelle Produktionskosten sparen wollte. Dafür spricht auch die Präsentation der Rendersequenzen selbst, welche man in dieser Art schon vor gut 10 Jahren auf der PSOne bewundern konnte.
Die Musikuntermalung in den Missionen passt zum Geschehen, hat teils schnelle Rhythmen, wiederholt sich aber auch gerne. Besonders bei Einsätzen die bis zu einer Stunde dauern können, geht die sich immer wiederholende Musik auf die Nerven. Da in Ace Combat 6 aber sowieso sehr viele Funksprüche während der Missionen empfangen werden, ist eine Musikuntermalung gar nicht notwendig.
Wie Anfangs schon erwähnt, bietet der neuste Ace Combat Ableger eine sehr eingängiges Arcade-Erlebnis. Wem das nicht genug ist, der kann den Schwierigkeitsgrad den eigenen Wünschen in drei Stufen anpassen - von “Einfach” bis zur “Simulation”. Dadurch ändert sich auch das Flugverhalten des Jets und die Steuerung wird sehr anspruchsvoll. Wem das noch nicht genügen sollte, der kann sich bei eBay schon eimal nach einer Ace-Edge-Edition von AC6 umschauen. Darin enthalten sind Joystick und Schubhebel die noch ein wenig Eingewöhnungszeit mit drauf setzen.
Vor und nach jeder Mission gibt es eine kurze Besprechung in der auf die Einzelheiten und den Ablauf eingegangen wird. Neben Position der Gegner und deren Stärke im Verhältnis zur eigenen Mannschaft, erhält man noch allerhand Informationen zu den einzelnen Zwischenzielen innerhalb einer Mission. Während man dann in der Luft feindliche Kampfjets abschießt und sich die Zwischenziele vornimmt, kann sich der Auftrag in einer Mission jederzeit ändern. Daher ist es unabdingbar sich mit den Funksprüchen der Kollegen zu befassen, um beispielsweise eine Bombardierung einer Stadt zu verhindern. Besonders ärgerlich ist dies wenn gleich mehrere Funksprüche hintereinander eintreffen und man innerhalb eines knapp bemessenen Zeitlimits ein Ziel ausschalten muss.
Die Funksprüche und Zwischensequenzen in Ace Combat 6 sind in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln. Dank emotionsloser Sprecher hat man aber nicht viel von der englischen Synchronisation. Eine Option um auf den japanischen Originalton umschalten zu können, wie es bei DoA Xtreme 2 der Fall ist, wäre wünschenswert gewesen.
Positiv sollte noch erwähnt werden dass Ace Combat 6 zu diesem Zeitpunkt eine Reihe von Flugzeugskins auf dem Xbox Live Marktplatz kostenlos zum Download anbietet. Sollte man mit dem Microsoft Dienst beim Spielstart verbunden sein, wird man sogar jedes mal auf die Downloads hingewiesen. Was bei kostenpflichtigen Downloads - von denen es zum Glück keine gibt - die man nicht kaufen möchte auf Dauer ziemlich nervig werden könnte.
Fazit
Ace Combat 6 hat meine Erwartungen übertroffen, die Steuerung ist schnell gelernt und der Schwierigkeitsgrad einfach mit viel Luft nach oben. Der Himmel und die teils riesige Fläche der zu überfliegenden Landschaften ist atemberaubend. Zwischensequenzen und Musikuntermalung könnten zwar besser sein, erfüllen ihren Zweck aber ganz gut. Bedenkt man zudem dass Ace Combat 6 schon zum Schnäppchenpreis zu haben ist, kann ich allen Flugbegeisterten aufgrund der momentan schwachen Auswahl an Alternativen eine klare Kaufempfehlung aussprechen.
8 von 10 Punkte
