Der Fuchs und das Mädchen

Ein Film der mir in vielerlei Hinsicht zum nachdenken anregt, hegte ich doch ganz andere Erwartungen an den Streifen und wurde trotzdem nicht enttäuscht.
Als ich zum ersten mal von “Der Fuchs und das Mädchen” hörte, hatte ich absolut keine Vorstellung was mich bei diesem Film erwarten würde. Der Filmtrailer, eine Mischung aus Nahaufnahmen von einem Fuchs, einer beeindruckenden Waldlandschaft und natürlich einem glücklichen Mädchen, waren da ebenfalls nicht sonderlich Hilfreich. Selbst die Filmkritiken waren so herrlich nichtsaussagend dass nach dem Lesen noch mehr offene Fragen bestanden als vorher. Dabei wollte ich nur mehr über die Geschichte des Films erfahren, eine kurze Inhaltsangabe mit den Eckpfeilen der Handlung, ein kleines Fundament auf dem ich aufbauen kann.
Es half alles nichts, ich musste mir diesen Film ansehen und mir ein eigenes Bild machen. Selbst wenn dies, wie von mir angenommen, nur ein weiter anspruchsloser Kinderfilm für das Frühstücksprogramm der Öffentlich Rechtlichen werden könnte. Glücklicherweise wurden meine pessimistischen Befürchtungen schon nach den ersten Minuten zerschlagen. Endlich wurde mir auch klar warum ich keine vernünftige Inhaltsangabe zum Film gefunden habe, die Geschichte ist gänzlich auf Mädchen und Fuchs fixiert, für Nebenrollen bleibt da kein Platz. Wie hätte man auch etwas über die Handlung schreiben sollen, wenn alles schon in einem Satz erzählt wurde. Bilder sagen bekanntlich mehr als Worte, dieses Sprichwort kann man wortwörtlich auf Der Fuchs und das Mädchen übertragen.
Natürlich versuche ich mich trotzdem hiermit an einer kurzen Inhaltsangabe, obgleich ich mir mit dessen Formulierung sehr schwer getan habe. Der Fuchs und das Mädchen ist eine märchenhaften Erzählung über die Tier-Mensch Beziehung mit dem Einblick in die Lebensweise eines Rotfuchs. Die Geschichte handelt von einem Mädchen welche zufällig einem Fuchs begegnet und daraufhin an nichts anderes mehr denken kann, schon bald versucht sie alles dass sich ihr Treffen mit Reineke wiederholt.
Wie schon erwähnt die der Film gänzlich auf Fuchs und Mädchen bezogen, Dinge wie die Eltern des Mädchens oder ihr Name selbst werden höchstens beiläufig erwähnt und tragen nichts zur Sache. Entsprechend wenig Worte hört man von dem Mädchen selbst, den Hauptteil übernimmt eine Erzählerin im Hintergrund.
Der Fuchs und das Mädchen kommt äußerlich wie ein typischer Kinderfilm daher, genauer betrachtet zeigt er den lieben Kleinen aber eine Beziehung zwischen Mensch und Tier welche in dieser intensiven Form nie möglich ist. Im Gegensatz zu altmodischen Märchenerzählungen erscheint der Film mit sehr modernen Bildern, fast schon wie ein reales Ereignis. Eine Distanz von der Wirklichkeit und dem gezeigten Schauspiel ist erst bei genauerer Überlegung erkennbar. Eine Fehlinterpretation liegt spätestens vor, wenn es sich das Kind fragt warum das Mädchen keine Freunde hat, wieso es immer allein im Wald spielt und weshalb es ständig nur an diesen Fuchs denken kann. In einem überspitzen Märchen der Brüder Grimm wäre dies sicherlich nicht passiert.
Was mich im Film von der ersten Minute an durchgehend beeindruckte waren die fantastischen Naturaufnahmen. Selten habe ich dermaßen perfekte Bilder von einem Waldgebiet gesehen, wäre hier nicht Luc Jaquet am Werk gewesen, welcher sein Talent schon in Die Reise der Pinguine eindrucksvoll zur schau stellte, könnte man fast meinen hier wäre mit Tricktechnik nachgeholfen worden. Zudem ist die Computertechnik vermutlich noch nicht zu einem so lebensechten Schauspiel im Stande. Tiere wie Luchs, Wolf, Bär oder eben der Fuchs wirkten sehr überzeugend, als wäre man direkt im Geschehen und könnte alles hautnahe mitverfolgen.
Auf ganzer Linie positiv beeindruckt hat mich an diesem modernen Märchen die Wahl eines Fuchses für die Tier-Mensch Beziehung. Bisher wurde der Fuchs fast gänzlich im negativen Licht dargestellt, er gilt oft als hinterlistig und böse, raubt armen Bauern die Hühner aus dem Stall und überträgt Tollwut. Das dem nicht so sein muss, ein Fuchs auch nur ein Tier von vielen ist, zeigt dieser Film auf fabelhafte Weise. Hier wird er als fürsorglich und liebevoll präsentiert, eine Sichtweise die unseren Jägern hierzulande vermutlich so gar nicht passt, immerhin personifizieren sie mit der qualvollen Niederstreckung das absolute Gegenteil.
Fazit:
Obwohl Der Fuchs und das Mädchen bei mir aufgrund kindgerechter Erzählweise in keinster Weise Spannung erzeugte, ein paar Actionszenen sind durchaus enthalten, war ich am Ende der Vorstellung nicht enttäuscht. Die wunderschönen Naturaufnahmen zusammen mit der fiktiven Geschichte über eine Tier-Mensch Beziehung, wie sie nur im Film sein können, haben mich die ganze Zeit an den Bildschirm gefesselt. Besonders mit dem Ende bekommt Der Fuchs und das Mädchen einen traumhaften Schluss beschert. Eine Empfehlung an alle Filmfrende die sich auf kindgerechte Geschichten einlassen und sich auch fernab von typischen Hollywood-Streifen unterhaltung können.
