Zocken ohne Socken

In gemeinsamer Aktion bloggen Geisterspiel, der Fuchsige Blog und Fuchsfront an diesem Sonntag über Socken.
Es war an einem Sonntag im Sommer 2007, mitten im Kettensägenduell des Multiplayer-Hits Gears of War erlebte ich einen unglaublichen Momente des Triumphs, nackt.
Da stand ich nun, es waren gefühlte 35 Grad im Zimmer, gerade hatte ich die Partie im Xbox360-Spiel Gears of War für mich gewinnen können. Unzählige mal musste ich ins virtuelle Gras beißen, doch endlich war das Spiel zu meinen Gunsten ausgegangen. Nicht einmal die Unterhose habe ich hierfür anbehalten, ich war nackt und glücklich. Ohne mir meiner Lage bewusst zu sein dass jederzeit einer in mein Zimmer kommen könnte.
Tatsächlich muss es ziemlich komisch ausgesehen haben, wenn ein nackter Typ vor seiner Spielekonsole überglücklich mit der Kettensäge seine Gegner schnetzelt, und dabei ein hämisches Grinsen im Gesicht hat. Gerade unsere verehrten Killerspiel-Gegner in der Politik würde bei dem Anblick das Wasser im Munde laufen, erfülle ich doch äußerlich alle Anzeichen eines durchgeknallten Psychopathen. Zum Glück kam es nie so weit, aber wie bin ich überhaupt in diese Lage gekommen?
Alles begann mit einer Einladung für eine sonntägliche Multiplayer-Partie. Ich hatte gerade den Singleplayer von Gears of War erfolgreich gemeistert, da wurde ich in ein freundliches Miteinander einberufen. Nach PGR3 sollte es meine zweite Multiplayer-Erfahrung im Xbox-Live Netzwerk sein. Meine Begeisterung für Multiplayer-Titel halten sich seit meinen ersten und letzten Erfahrungen mit CounterStrike doch sehr in Grenzen. Entweder ich hatte bei den Mitspielern bisher immer Pech oder mein Reaktionsvermögen lässt zu wünschen übrig. In Gears of War war dies egal, die Spielcharakter reagieren relativ Träge, hier spielt Treffsicherheit und insbesondere die Taktik eine übergeordnete Rolle.
Meine Mitspieler bestanden mehrheitlich aus bekannten Internet-Freundschaften. Wie alle meiner Bekanntschaften, war auch ich ein ehemaliger play Playstation Leser gewesen, die auf Cynamite vergangene Tage nachtrauerten, und einige Zeit später schließlich TeleMassaker erschufen. So weit waren wir aber noch lange nicht, noch sollte Cynamite für die Planung der Multiplayerduelle dienen, und diesmal war ich dabei.
Nervös legte ich an diesen Sonntag die Spiele-DVD ins Laufwerk. Nach einer kurzen Ladepause begann das Spiel und meine verlorenen Partien häuften sich ins unermessliche. Ich war der Schwächste im Team, was gerne ausgenutzt wurde. Wie in CounterStrike gibt es auch in Gears of War kein Respawn, für mich bedeutet dies den Rest der Partie abzusitzen.
Plötzlich wendete sich allerdings das Blatt, nach unzähligen Niederlagen blieb ich bis zum Ende eines Spiels am Leben. Dabei hatte ich mir aufgrund der anhaltenden Hitze im Zimmer nur die Socken ausgezogen. Sollten mich diese miefigen Dinger etwa von dem Sieg abhalten? Für allzu unwahrscheinlich halte ich diese Theorie nicht, immerhin habe ich Barfuss schon die größten Erfolge in der virtuellen Welt meiner Xbox gefeiert. Ich würde sogar behaupten dass meine Socken unmittelbar mit Sieg und Niederlage der Fußball-WM in Deutschland zusammenhängen, während des Finales hatte ich zumindest welche an meinen Füßen. Das muss Beweis genug sein, nicht umsonst kann ich mit meinen zwei Chemiebomben ganze Häuser ausräuchern.
Trotz kleinen Erfolgen und einigen erfrischenden Bierchen war mir immer noch zu heiß. Leicht angetrunken öffnete ich die an meinen Beinen klebende Jeans und zog sie, während ich mit einem Freund Rückendeckung gab, aus. Headshot! Mein erster Kopfschuss im Spiel verrichtete ich Barfuss ohne Hose. Wenn ich ohne Hose schon so spiele, wie würde ich dann erst ohne T-Shirt und Unterhose stehen? Gesagt getan, ich überließ nichts dem Zufall und opferte während einer Pause jedes Kleidungsstück, um am Ende als erster in der Tabelle zu stehen.
Meine Mitspieler bekamen von dem Treiben glücklicherweise nichts mit, vermutlich hätten meine Freunde noch einiges mehr im Forum zu erzählen gehabt. Einen nackten, angetrunkenen Xbox360-Spieler sieht man gewiss nicht alle Tage. Seitdem ziehe ich nach jeder Niederlage in einem Videospiel, egal ob Singleplayer oder Multiplayer, die Socken aus. Während der diesjährigen Europameisterschaft gilt für mich ein strenges Sockenverbot, ich möchte nur sehr ungern den Zorn meiner fussballverrückten Freunde auf mich ziehen. Einzig bei der Arbeit mit komplizierten Programmabläufen lasse ich neben den Socken auch noch die Hose runter.
Kategorie(n): Ausruf, Kolumne, Sonstiger Spielspaß
Unter den Tags: Gears of War, nackt, Socken, Xbox360

Huna
Daß Männer strange sein können beim Zocken ist ein altes Phänomen. Aber daß Nackheit auf das Spiel Einfluß nimmt ist mir völlig neu. Jetzt verstehe ich auch, wieso mein Partner völlig entblößt im Wohnzimmer rumzappelt, während er mir ins Telefon brüllt: “Ich bin Niko Bellic!”
Dein Beitrag entlockte mir ein Schmunzeln im Gesicht, während ich deine Zeilen las.