Die Simpsons - Das Spiel

Zweifellos eines der besten Simpsons-Spiele auf dem Markt, selten hatte ich mit der gelben Familie so viel Spaß wie heute.
Erstaunlich wie die Zeit vergeht. An einem Freitag Nachmittag legte ich noch das neuste Simpsons-Videospiel in meine Konsole, kaum war das erste Level gemeistert, folge auch schon das Nächste. Einige Spielstunden später sah ich den Abspann und schaute verdutzt auf den Kalender, es war inzwischen Sonntag Nacht geworden. Meine Augen schmerzten, müde und entkräftet legte ich mich ins Bett. Selten hat mich ein Videospiel dermaßen ausdauernd unterhalten, selbst bei einem GTA IV wird - glücklicherweise - regelmäßig eine Pause gegönnt.
Ein von der Fachpresse oft gelobtes Simpsons Spiel, und dann noch von Electronic Arts? Ein Paradoxon! Natürlich musste ich mich früher oder später davon selbst überzeugen, aber nicht zum Vollpreis, nicht mehr bei einem EA-Titel. So habe ich einige Wochen nach dem offiziellen Release gewartet, und schließlich bei etwa 30 Euro inklusive Versand zugeschlagen.
Kaum dreht sich die Spiele-DVD im Laufwerk meiner Xbox360, sehe ich auch schon den Startbildschirm. Das Spielmenü wird in Form eines Fernsehers präsentiert, ist erstmal ein Profil angelegt beginnt auch schon das erste Level. Es gibt kein aufwendiges Intro, dafür aber schon den ersten Xbox360-Erfolg, für das drücken der Start-Tase.
Serienkennern wird das erste Level unter Umständen bekannt vorkommen, das spielt in Homers-Traum innerhalb einer Stadt gänzlich aus Schokolade. Es gilt einen Hasen zu verfolgen, und da dies sich super mit einem Tutorial eignet, bekommt man regelmäßig die einzelnen Bedienelemente eingeblendet. Jedes neue Steuerungselement wird im Verlauf aufgeklärt, der Griff zur Spieleanleitung entfällt komplett. Vielleicht war das der Grund weshalb die beilegte 16 Seiten Broschüre nur mit typischen Warnfloskeln und Standard-Phrasen vollgestopft ist.
Die ersten Spielminuten in Die Simpsons sind entsprechend leider nur Standardkost. Ein paar Hüpfeinlagen hier, Schokohasen verkloppen dort und ab und zu mal ein bissen nehmen. Da wird selbst Homers Giftgas-Angriff mittels der Schnellrülpsertaste auf Dauer langweilig. Dem waren sich die Entwickler anscheinend bewusst und bauten eine Reihe Videospielklischees zum freispielen ein. Macht man eine für ein Videospiel typische Aktion, wird man vom Comicbuchverkäufer darauf hingewiesen. Sobald alle Klischees freigeschaltet sind, gibt es einen Xbox360 Erfolg oben drauf.
Das erste Level ist schnell gemeistert, danach darf man sich in Springfield frei bewegen. Auf den Straßen trifft man allerhand bekannte Gesichter. Die Spielfiguren wurden allesamt liebevoll umgesetzt. Sahen Lisa und Bart in Simpsons Hit & Run noch ein wenig sonderbar auf dem Kopf aus, entspricht ihre Firsur diesmal dem Serienvorbild, egal wie man die Kamera dreht die Haare bleiben in einer Art 2D-Ansicht. Keine Kaktus-Köpfe mehr, Gott sei Dank! Seltsam ist allerdings dass in Springfield keine Autos fahren, sehr realistisch wird das nicht auf mich. Dementsprechend ist die Suche nach einem fahrbaren Untersatz vergebens.
In ganz Springfield sind dann noch Flaschendeckel, Lunchpakete und Bonusmarken versteckt. Je nach Spielcharakter können diese eingesammelt werden, hat man alle zusammen gibts wieder einen Erfolg. Wer sich diesen “Spaß” nicht entgehen lassen will, kann an jeder Haltestelle in Springfield zwischen der gelben Familie wählen. Das ist vor den Levels auch notwendig, die Spielcharakter sind für das Level leider nicht frei wählbar. Andererseits wären manche Spielabschnitte sonst nicht zu meistern. Jedes Mitglieder der Familie hat eine besondere Spezialfähigkeit. So kann sich Homer zu einer großen Kugel aufblähen, Bart verwandelt sich zum Bartman und gleitet mit Umhang an sonst unerreichbare Orte, Lisa hat ein Händchen für ihr Saxophone und kann mit Buddastatue schwere Objekte bewegen, und Marge mobilisiert dank Mikrophone kurzerhand eine wilde Meute. Kommen am Anfang noch alle Spezialfähigkeiten zum Einsatz, ist man später hauptsächlich auf Bart und Homer angewiesen.
Aufgrund der hervorragenden Geschichte von Die Simpsons ist das Spiel durchgehend spannend. Ich wollte immer wissen wie es weitergeht, im Gegensatz zu alten Simpsons-Spielen wurden die Spannungsmomente diesmal konsequent auf den ganzen Spielverlauf gelegt. Es fühlt sich nicht mehr nach aneinandergereihten sinnlosen Aufgaben an, der rote Faden bewegt sich durchgehend bis zum Finale. Gegen Ende wird dann noch einmal alles auf den Kopf gestellt, man merkt dass sich viel Gedanken um die Story gemacht wurden.
Um mich nicht unnötig zu verplappern, verrate ich an dieser Stelle nicht mehr zur hervorragenden Story. Nur soviel sei gesagt, man bekommt viele bekannte Gesichter auf den Bildschirm zu sehen. Unter anderen sind diesmal Kang und Kodos, ein dicker Zwerg mit roter Latzhose, ein blauer Igel, ein großer brauner Affe, Will Wright, Matt Groening selbst, Bender aus Futurama, Gott und Kämpfer die Feuerbälle abfeuern können mit dabei - Hadouken!
Viele Anspielungen auf Grand Theft Auto, Super Mario und Pokemon(!) haben den Weg ins Spiel gefunden. Später bezwingt man mit Homer und Marge, in einer Welt aus Elfen und Zwergen natürlich, einen zweiköpfigen Drachen der doch stark an Petty und Selma erinnert. Ein Abstecher ins innere einer Spielekonsole sowie der Kampf gegen Aliens mit typischer Space Invaders Steuerung ist ebenfalls enthalten.
Die Simpons - Das Spiel kann man als eine große Videospiel-Parodie betrachten. Selbst EA präsentiert sich im Spiel als große druckende Geldmaschine und verantwortlich für Videospiel-Versorftungen. Da verzeih ich die kleinen Design-Schnitzer gerne, besteht doch durchgehend kein großer Moment indem richtig Frust aufkommt. Nur den Tanz mit Gott hatte ich mir einfacher vorgestellt. Allgemein ist der Schwierigkeitsgrad aber durchgehend fair gehalten. Sollte man dann doch mal ins virtuelle Gras beißen, wird man an einen der vielen Rücksetzpunkte innerhalb der Level abgesetzt.
Besonders im Japano-Level mit Meister Glanz, Captain Homer und Surpreme Lisa konnnte ich mich vor lachen nicht mehr einkriegen. Selbst die Trailer zum Spiel wurden herrlich an den Stil des Spiels angepasst.
Wie schon erwähnt haben die Spielfiguren äußerlich einen guten Eindruck hinterlassen. Leider trifft dies nicht auf das ganze Spiel zu, manche Gebäude in Springfield sehen sehr lieblos aus. Das freie Erkunden der Stadt macht keinen Spaß, bis auf das Besuchen bekannter Orte und den Einsammeln von versteckten Objekten wird keine Unterhaltung geboten. Optisch orientiert sich das Spiel an der Fernsehserie, alles wirkt Cell-Shading typisch gezeichnet und trägt gut zur Atmosphäre bei.
Ein gutes Spimpsons-Spiel begeistert oder enttäuscht durch die Synchronisation, für Die Simpsons konnten alle deutschen Synchronsprecher ins Boot geholt werden. An wenigen Stellen hört man noch die Originalsprecher, zum Bespiel wenn man in den Abgrund springt und der Charakter laut schreit, das ist allerdings auch in der Fernsehserie der Fall und stört nicht weiter. Die Musikuntermalung ist durchgehend gelungen und erinnert an die Serie. Somit wird das Spiel wie eine interaktive Episode der gelben Familie.
Ohne Ladezeiten kommt inzwischen kaum noch ein Spiel aus, auf meiner Xbox360 fielen diese aber nicht auf. Ganz im Gegenteil, die Ladezeiten waren sehr kurz sodass man sich nicht aus dem Spielgeschehen geworfen fühlt. Obwohl mir das brummen der Xbox360 bei diesem Spiel zum ersten mal störend auffiel, normalerweise reicht es die Soundanlage lauter zu drehen, dass war mir bei dem Musikgedudel auf Dauer aber zu nervtötend. Wer stundenlang den Simpsons-Vorspann lauscht wird zwangsweise beknackt, da führt kein Weg dran vorbei.
Erwähnenswert sei noch die Demo auf dem Xbox Live Marktplatz für einen Probelauf. Diese wurde ausgiebig beim fuchsigen Kollegen Der fuchsige Blog getestet.
Fazit:
Simpsons-Fans sollten bei diesem Titel nicht lange überlegen, es ist definitiv eines der besten Ableger der Serie. Leider versteckt sich hinter dem ganzen Humor dann doch nur ein normales Jump&Run ohne große Innovationen. Die Steuerung ist zwar schnell erlernt, bei der versauten Kameraführung hat mich dann aber doch der eine oder andere Sprung in den Abgrund gebracht - da hilft nur Nachjustieren. Einerseits haben mich die unzähligen Anspielungen und die tolle Geschichte begeistert. Andererseits habe ich nichts anderes als Durchschnittskost vorgesetzt bekommen. Da sicherlich nicht jeder etwas mit den Simpsons anfangen kann, gebe ich dem Spiel nur eine 7 von 10 mit einer klaren Tendenz nach oben. Jump&Run’s sind auf der Xbox360 noch Mangelware, einmal Probespielen kann daher durchaus nicht schaden.
7 von 10 Punkten
Kategorie(n): Review, Telespiele
Unter den Tags: Die Simpsons, Electronic Arts, Xbox360

Fisher
Mir gefällt die Teststruktur und die Umsetzung. Kann gut nachvollziehen, wie das komplette Spiel ist, wobei sich manches auch mit meinen Demoeindrücken deckt. Danke für die Verlinkung!