meebo.com Web-Messenger

meebo.com Web-Messenger

Smalltalk über den Browser, überall und jederzeit verfügbar. Chatten mit Meebo: Ein Erfahrungsbericht.

Die Zukunft des Internet liegt im Haushaltsreiniger von Morgen! Zumindest fast, Kennern in der Materie werden es vielleicht gemerkt haben, das war eine Anspielung auf die Ajax Programmierung. Ajax im Internet, das bedeutet eine Mischung aus zwei Programmiersprachen die dem Anwender ohne Ladepause ein interaktive Anwendung präsentieren. Im Gegensatz zu Flash muss für Ajax nichts installiert werden und die Ladezeiten der Seite sind auch merklich kürzer. Meebo ist so eine Ajax Anwendung, früher kaum beachtet und heute ein unverzichtbares Tool für die Arbeit.

Ich bin kein Freund von Instant Messengern, nur sehr wenige erfüllen die Leistung welche ich heute von moderner Software erwarte. Beispielsweise sind die offiziellen ICQ/MSN Messenger voller unnützer Funktionen wie Webspiele oder Gruppensitzungen, von denen nur ein Bruchteil halbwegs zuverlässig arbeitet. Nicht zu vergessen die Werbung, unter jedem Chatfenster ein dicker Werbebanner und in der Kontaktliste auch nochmal einen. Damit der ganze Schrott auch noch schön Potthässlich aussieht, wird die Werbung in Flash animiert und die Messengerskins mit protzig bunten Themes in den Farben des Firmenlogos präsentiert. Die offiziellen ICQ, MSN und AIM Tools bleiben ihrer Linie demnach treu und sind nicht zu empfehlen.

Die kostenlosen Ableger sind da schon etwas weiter, müssen allerdings mal mehr mal weniger kompliziert für ein System angepasst und in der Regel installiert werden. Trotzdem bilden Tools wie qip (Windows), Pidgin (Linux) oder Adium (Mac) das Highlight für jeden User, der Instant Messenger hauptsächlich für den Zweck benutzt für den sie konzipiert wurden: Einer gepflegten Unterhaltung.

Es geht inzwischen aber auch ganz anders, ICQ2Go und die MSN Kopie haben es vorgemacht, der Chat direkt über den Browser. Waren früher noch Hilfsmittel wie Flash oder Java für die Realisierung notwendig, können User spätestens seit der Google-Talk Erweiterung in Gmail über Ajax Wörter miteinander tauschen. Ajax umgeht jede Firewall und ist kompatibel mit jedem Betriebssystem auf dem moderne Browser wie Firefox oder Opera laufen. Demnach ist Ajax ideal für die Arbeit an fremden Computern geeignet und gerade zu prädestiniert für ein Instant Messenger.

Eigentlich habe ich schon ein Ajax Messenger, in meinem Gmail Postfach über Google Talk. Leider oder zum Glück, je nach Google Gesinnung, benutzen nur wenige den kleinen Wunder-Messenger oder kennen sich mit Jabber aus, sodass ich gezwungen bin auf das beliebte ICQ-Netzwerk auszuweichen. Da in einer Schule aber Instant Messenger nicht gern gesehen werden bzw. sich in einer Firma auf einen Messenger geeinigt werden muss, finden sich auf den Computern höchstens offizielle Messenger installiert. Nach einer Ajax-Alternative musste ich nicht lange suchen, Meebo war mir beim letzten durchstöbern meiner unzähligen Lesezeichen noch halb im Kopf geblieben - also ruff uffe Site.

Das schöne an Meebo ist dass man sich nicht registrieren braucht, ICQ-Nummer und Passwort sollte man allerdings im Hinterkopf behalten. Schnell die Nummer und Passwort eingegeben und schon geht es los - Ladezeiten sind mit DSL1000 quasi nicht vorhanden. Nach dem Login sieht man rechts seine Kontaktliste und kann theoretisch sofort mit dem Chat beginnen. Fenster und Kontaktliste lassen sich innerhalb des Browserfenster nach belieben verschieben, alternativ auch in Form eines Popup für den Desktop.

Wie schon bei Google ein beliebtes Hobby werden auch bei Meebo die Chatprotokolle online gespeichert. Einerseits eine tolle Funktion falls man nach etwas sucht, andererseits ein Fall für die Datenschützer denn eine Löschfunktion der Protokolle konnte ich nicht finden. Wenigstens funktioniert in Meebo der Dateitransfer spielend einfach. Anstatt Verbindungsabbrüche zwischen zwei Clients wird die zu transportierende Datei direkt auf dem Meeboserver geladen und steht dem Gespächspartner danach als Download-Link zur Verfügung. Anders herum, von ICQ Messenger zu Meebo, geht es leider nicht. Außerdem ist für den Datentransfer ein Meebo Account notwendig, maximal 10MB darf eine Datei groß sein und nicht mehr als 30MB dürfen im Monat getauscht werden. Das ist für eine Alternative viel zu wenig Datenvolumen, Meebo ist daher nichts für User mit hohem Dateitransfers.

Meebo ist ein echtes Multitalent und unterstützt die gängigsten Netzwerke wie ICQ, MSN, Jabber, Google Talk, AIM und Yahoo. Wenn dann noch jemand wie ich mehr als drei Accounts für völlig unterschiedliche Netzwerke nutzt, für den macht so ein Meebo Account sogar Sinn. Dank Account können so viele ICQ, MSN etc. Konten hinzugefügt werden wie man lustig ist. Sogar an einer Community-Funktion wurde gedacht: Meebo User können in öffentlichen Chaträumen einen Plausch machen oder selbst einen Raum erstellen.

Während meiner Arbeit mit Meebo, die jetzt ungefähr schon über einen Monat andauert, ist der Instant Messenger im Browser zu einem unverzichtbaren Tool für Unterwegs geworden. Der Bedienkomfort mit Meebo ist ähnlich luxuriös wie daheim mit Adium, alle Grundfunktionen sind geboten. Wegen des geringen Datenvolumen mache ich mir indes keine Sorgen, Daten verschicke ich selten und zur Not bietet sich noch einer der Millionen 1-Klick-Hoster im Web an. Leider kam es ab und an zu Verbindungsabbrüchen im Wlan-Netz, zwar reicht ein Mausklick zu wiederverbinden aus, auf Dauer empfinde ich es aber als störend.

Hauptseite und Messenger sind komplett in deutscher Sprache. Die Hilfe und Communtyseite sind dagegen noch in Englisch. Besonders die englische Hilfe könnte bei vielen jüngeren Usern zu Kopfschmerzen führen. Glücklicherweise ist Meebo selbsterklärend und von der Bedienung an die üblichen Instand Messenger angepasst. Da für Meebo keine Registrierung nötig ist, kann ein Versuch im Internetcafe oder als ICQ-Ersatz bei der Arbeit außerhalb nicht schaden.

Am Privatcomputer daheim bevorzuge ich allerdings wieder eine Softwarelösung. Zwar kann man Meebo mittels Tabs im Browserfenster ausblenden, der Browser selbst darf aber nie geschlossen werden, was in Windows oder Linux zwangsweise die Startleiste zumüllt. Zuhause ist es eben doch immer noch am schönsten.

Verfasst am 21.04.08, um 12:54 Uhr, von rotfuchs
Kategorie(n): Netzkultur, Software, Technik
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