Vigilante 8

Die 70er waren nicht nur der Anfang von Disco-Bewegung und Atari, sie sollten auch für die Hintergrundgeschichte eines Videospiels herhalten.
1998: Prosieben stand für hochwertige Unterhaltung, die Band Bad Religion wurde gegründet, Playstation und Nintendo64 boten sich ein hartes Kopf an Kopf rennen, die Spielezeitschrift Fun Generation war die Informationsquelle für Fans der digitalen Unterhaltung. Es war die Geburtsstunde von Vigilante 8, eines der wenigen Videospiele welches mir bis heute im Kopf geblieben ist, mit dem ich eine wundervolle Zeit verbinde und welches ich noch heute im Playstation-Laufwerk kreisen lasse.
In V8 geht es zum zwei verfeindete Fraktionen in den Vereinigten Staaten, die Vigilantes und die Coyotes. Die Coyotes sind eine Gruppe Gesetzloser welche, durch einen ominösen Geldgeber angestiftet, diverse Energie und Versorgungsapperate zerstören. Die Vigilante sind ein Verbund, gegründet um das Vorhaben der Coyotes zu verhindern. Jeder Charakter hat zusätzlich noch einen leicht veränderten Handlungsstrang sowie Endsequenz, hat man das Spiel durch, ergibt sich aus den einzelnen Endsequenzen im Zusammenhang ein komplettes Ende - wie ein Puzzelspiel welches langsam das Motiv offenbart.
Nach jedem Spielstart präsentierte sich Luxoflux, der Entwickler von V8, mit anderen Sprüchen unter dem Firmenlogo. Das ist selbst nach der Übername von Luxoflux durch Activision bis heute noch so geblieben. Heute ist die Entwicklung neuer Spiele ein Millionengeschäft an denen tausende Arbeitsplätze hängen, früher konnte man dagegen schon mit 5 Leuten einen Erfolg feiern. So ein Erfolg war auch Vigilante 8, von dem noch zwei Nachfolger geplant aber nur einer das Licht der Welt erblickte.
Kaum war das Firmenlogo verschwunden zeigte sich auch schon das Spielmenü. Ein wechselndes Artwork, diesmal von Sheila die ihre Minigun präsentierte, unterlegt von 70er Jahre Discomusik. Ein Bild und drei Menüpunkte (1 Spieler, 2 Spieler, Optionen) waren damals genug, die Einfachheit bestimmte das Bild. Es galt das Motto “Weniger ist mehr”, mit dem die Firma Apple heute ihre Erfolge feiert. Die zum heutigen Verhältnis schwache Playstation-Rechenleistung wird ein Teil dazu beigetragen haben. Die Minigun ist Gegensätzlich zur kleinen Größe des Teenagers. Ohne Minigun wäre Sheila nur ein unscheinbares Mädchen gewesen, mit Waffe steht sie aber als ein Symbol einer außergewöhnlichen Geschichte - eine Vorspeise zum Hauptgericht.
Vigilante 8 ist ein Car-Combat Spiel für Playstation und N64. In Arealen wie einer Wüste, Farm oder Skipiste, wird mit unterschiedlichen Fahrzeugen auf denen Waffen montiert sind, gegeneinander der Lack zerkratzt bis nur noch einer übrig ist. Der ganze Spaß ist auch im Multiplayer möglich, auf der Playstation mit bis zu zwei Spieler im Splitscreen, das N64 gab sogar 4 Spielern die Ehre. Meine ersten Erfahrungen sammelte ich mit der N64-Version, da mir damals noch keine PSX zur Verfügung stand. Heute bevorzuge ich V8 auf der Playstation da N64 Controller einen teuflisch schnellen Verschleiß haben.
Zwischen N64 und PSX gab es kleine Systemunterschiede. Die Playstation bot das größere Speichermedium weshalb Rendersequenzen nur auf der Sony-Kiste zu bewundern waren. Da die Arenen auf der PSX komplett in den Speicher geladen wurden, konnte während des Spiels eine Musik-CD ins Laufwerk gelegt und deren Stücke als Hintergrundmusik benutzt werden. Dafür hatte das N64 mehr Rechenpower, weshalb Vigilante 8 dort mit höherer Auflösung und leicht verbesserter Grafik aufwartete. Zusätzlich bot die Nintendo-Konsole noch eine Extra-Arena welches an Super Mario auf Drogen erinnerte, sowie den Spielmodus “Herausforderung” in dem es galt das virtuelle Ableben so gut es geht zu verzögern.
Natürlich kann die Grafik heute keinen mehr vom Hocker hauen, selbst zu damaligen Verhältnissen war Vigilante 8 nur gehobener Durchschnitt. Nicht einmal das Genre Car-Combat ist seit der Sony-Reihe Twisted Metal neu erfunden worden. Die Mischung aus Auto-Kampf, der Humor und spannende in den 70ern angelegte Geschichte sollten einen Anreiz auf dieses Spiel bieten. Im Gegensatz zu Twisted Metal war V8 kein Endzeitszenario, die Atmosphäre war weit weniger bedrückend wodurch sich ganz andere Spielerlebnisse festigten. Bei den Fachmagazinen stoß dieser Mix auf gemischte Gefühle, es war einerseits ein schönes Gefühl, dass sich endlich jemand darin versuchte Twisted Metal die Stirn zu bieten. Andererseits war Vigilante 8 trotz Genregleichheit nunmal kein Twisted Metal und für Fans der Sony-Serie nur ein billiger Abklatsch. Da ist es kein Wunder dass hauptsächlich Nintendo-Magazine die Individualität von Vigilante 8 erkannten und es entsprechend mit hohen Wertungen überschütteten.
Im Einzelspielermodus konnte man entweder die Handlung eines beliebigen Charakter verfolgen, oder man leistete sich im Arcade mit Gegnern in der gewünschten Arena einzelne Kämpfe. Egal für was man sich entschied, das Grundkonzept blieb immer unverändert, mit Autos in einer Arena den Gegner platt machen. Im Singleplayer kamen zusätzlich noch kleine Aufträge hinzu, als Vigilante galt es immer ein Objekt in der Arena zu beschützen, damit es nicht von den Coyotes zerstört wird. Coyotes mussten dagegen bekam immer den Auftrag etwas zu zerstören. Egal welchen Charakter man spielte, etwas zu zerstören hat natürlich mehr Spaß gemacht und war entsprechend einfacher.
Jeder Charakter im Spiel hat ein eigenes Fahrzeug zur Verfügung, dies wiederum hatte eine individuelle Spezialfähigkeit. Die Spezialfähigkeiten sind dabei so unterschiedlich wie die Fahrzeuge selbst, zum Beispiel kann Loki, der einen kleinen Militärjeep fährt, Raketen abfeuern, während Cid mit seinem Manta Feuerkugeln austeilt. Zusätzlich hatte jeder Wagen noch eine Standard-Feuerwaffe mit unendlich Munition auf der Haube montiert, auf der Strecke waren außerdem noch die unterschiedlichsten Waffen verteilt - maximal 3 Feuerwaffen konnten auf die Wagen montiert werden.
Die Spiel-CD der Playstation-Varinate von Vigilante 8 war gleichzeitig eine Musik-CD. Die einzelnen Musikstücke waren thematisch sehr unterschiedlich und den Arenen angepasst, boten aber den Unterhaltungswert richtiger Musik mit 70er Jahre Flair.
Im Verlauf der Geschichte erspielt man zusätzliche Charaktere welche ebenfalls unterschiedliche Autos mit verschiedenen Spezialfähigkeiten besitzen. Den aktuellen Status sowie freigespielte Zwischensequenzen können im Optionsmenü an einer Art Baumdarstellung festgestellt werden. An vielen Stellen merkte man die Liebe zum Detail welche Luxoflux an den Tag legte. So hatte man beim Schwierigkeitsgrad die Wahl zwischen Bleifrei (einfach) bis Super (Schwer). Die Soundeinstellungen wurden wiederum auf einem altmodischen Holzradio vorgenommen. Die Steuerung wurde anhand eines komplett in 3D animierten Playstation-Controller präsentiert dessen Erscheinungsbild je nach angeschlossenen Controller anders war.
Geübte Spieler schaffen Vigilante 8 auf normalen Schwierigkeitsgrad an einem Tag durch. Danach bleibt nur noch der Zweispielermodus oder Arcade. Aber auch diese beiden Modi können im Internetzeitalter von Xbox Live und PSN - jeder gegen jeden - nicht lange unterhalten. Somit bleibt nur ein schönes Erlebnis zurück, schon damals ein kurzer Abstecher in die Vergangenheit. Am 4 Juni 2008 feiert Vigilante 8 nun seinen 10 Geburtstag, ich wünsche alles Gute und hoffe inständig auf eine Fortsetzung.
Kategorie(n): Retro, Telespiele
Unter den Tags: 70er, Atari, Bad Religion, Disco, Fun Generation, Luxoflux, Playstation, Vigilante 8
