Onlinebanking mit Kartenleser

Noch nie hatte ich ein so großes Spektrum an Gefühlen wegen ein Stück Plasktik erfahren.
Als ich noch ein kleiner Knirps war, da bin ich noch mit Mutti und inklusive gefüllter Spardose zur gerade mal 100 Meter entfernten Bankfiliale spaziert, und habe den angesparten Betrag aus Pfennigen und wenigen Euros auf mein Sparbuch einzahlen lassen. Heute ist die Bankfiliale um die Ecke aufgrund von Rationalisierungsmaßnahmen geschlossen, ich bin auf Onlinebanking umgestiegen und die Spardose gibt es auch schon lange nicht mehr.
Nun erhielt ich kürzlich Post von meiner Bank, in der es hieß, dass Tan-Code Verfahren über die Briefpost würde im Mai 2008 abgeschafft werden. Daher wurden mir zwei Alternativen angeboten: Entweder ich gebe der Bank meine Handy Nummer und lasse mir die kleinen Freischaltcodes per SMS kostengünstig zuschicken, oder ich zahle einmalig 5 Euro und erhalte stattdessen einen kleinen Kartenleser für meinen Computer.
Da sich meine Handy-Nummer alle paar Monate zum eigenen Leidwesen wechselt, griff ich kurzerhand zum Kartenleser. Erwartet habe ich ein kleines Gerät mit USB-Anschluss und Schlitz für die Karte. Bekommen habe ich schließlich ein Stück Plastik ohne USB-Anschluss aber dafür mit Zahlentastatur und Kartenschlitz.
Ich habe mir nicht viel dabei gedacht, von Kartenlesern für Onlinebanking hatte ich noch nie gebraucht gemacht. Obwohl aufgrund des fehlenden USB-Anschluss zuerst der Schick tief saß, wie sollte das Gerät mit meiner Bank kommunizieren? Was mache ich wenn mal die Batterie für den Kartenleser leer ist? Blöderweise hat das Ding keine Schrauben oder sonstige Öffnungsmöglichkeiten zum Batterieaustausch. Muss ich womöglich dann noch einmal 5 Euro zahlen?
Nach dem Schock kommt die Erleichterung, immerhin stand in der Anleitung nichts von einer synchronisation mit dem Computer. Umso besser, dachte ich mir, vielleicht ist der Kartenleser dann sogar mit meinem Mac kompatibel.
Wie ich denn nun diesen blöden Einwegplastikleser zum laufen bringe, war allerdings nirgendwo beschrieben - ich war wütend. Die Anleitung laß sich wie ein billiger chinesischer Glückskeks, welcher zuerst ins englische und danach nochmal in Deutsche übersetzt wurde.
Ich versuchte mich schließlich am Trial & Error Prinzip und bekam, schneller als erwartet, eine Ausgabe auf dem Display des Kartenlesers zustande. Als funktionierte reibungslos, und die Freude darüber war unermesslich, bis ich Taten sehen wollte und mich an einer ersten Überweisung versuchte.
Ich musste einen Code sowie meine Kontonummer in den Kartenleser eingeben, daraus ergab sich dann eine TAN die ich ins Browserfenster eingab. Ernüchterung, die TAN war falsch und ich habe nur noch zwei Versuche. Was könnte ich falsch gemacht haben? Schnell mit dem Browser zurückspringen und auf ein neues versuchen.
Verdammt! Die Zurück-Taste im Browser zählt ebenfalls als falsch eingegebene TAN, nur noch ein Versuch. Panik! Jetzt muss die Eingabe aber stimmen, sonst darf ich mich auf den Weg zur nächsten Bankfiliale machen und mein Konto wieder freischalten. Oder ich rufe gleich beim Support an, der wird sicher wissen was zu tun ist. Mittwochs um 23 Uhr wird da nur keiner auf mich warten.
Angespannt ging ich jeden meiner Schritte im Kopf durch, die Kontonummer wurde nicht in voller Länge im Browser ausgegeben, ob es etwas damit auf sich hat? Ein Versuch kann nicht schaden und so machte ich mich an die dran meine letzte TAN-Eingabe zu versemmeln.
Entnervt und deprimiert schrieb ich noch am gleichen Abend eine Mail an den Support, in der Hoffnung am nächsten Tag aufgeklärt zu werden. Tatsächlich wurde ich am darauf folgenden Tag von einer netten Dame am Telefon kontaktiert. Sie belehrte mich schließlich, dass man nicht die ganze Kontonummer in den Kartenleser eingeben darf. Siehe da, es funktioniert. Ich war verwirrt und müde, irgendwas musste ich bei der letzten Eingabe falsch gemacht haben.
Damals war nunmal doch vieles besser.
Kategorie(n): Netzkultur, Technik
Unter den Tags: Kartenleser, Mac, Onlinebanking

hb
Muaha. Glückskeksanleitungen und Einwegkartenleser, saubere Leistung der Bank. Muß ich auch Bommel, äh, Bammel haben, daß die TAN bei mir ebenfalls wegrationalisiert werden? Die Schweine haben das erst vor gar nicht allzu langer Zeit modifiziert, daß ich nur noch bestimmte Transaktionsnummer eingeben kann. So ein mistiges Plastikgerät will ich nicht. Hilfe, Mama.