Mass Effect

Mit dem Raumschiff durch das Universum flitzen, dabei Aliens aufreißen und nebenbei noch schnell das Leben aller uns bekannten Zivilisationen in der Galaxis retten.
Der Erstkontakt zwischen Mass Effect und mir war im Jahr 2007, die Erdbevölkerung bereitete sich gerade auf das Weihnachtsfest vor. Ich laß gerade die 4 oder 5 Review zu Mass Effect und war sehr überrascht, nicht weil mich dieses Spiel in irgendeiner Weise begeisterte. In den Reviews wurde zwar über die super Geschichte berichtet, die tolle Grafik bewundert, der geniale Sound angehimmelt, aber kein einziges, verdammtes Wort über das Gameplay geschrieben.
Wie sollte ich mir Mass Effect vorstellen, wenn ich über den Spielablauf überhaupt nichts weiß? Nicht zu wissen, mit was man es zu tun hat, dass erweckt schon Neugier - frustrierte mich aber auch. Dabei ist Mass Effect eines dieser Spiele, die eben nicht wie jedes andere Rollenspiel mit Standardkost aufwartet.
Ich bin kein Freund von Rollenspielen, mir fehlt die Zeit und Geduld ein Spiel länger als 20 Stunden im Laufwerk rotieren zu lassen. Bei Mass Effect machte ich aber eine Ausnahme, schließlich kann man mit futuristischer Feuerwaffe, in Third-Person-Perspektive, mit E.T. und seinem Aliengesocks die Wände tapezieren. Geschlechtsverkehr mit unbekannten Spezies, die Möglichkeit eine Konversation auf ein neues Niveautief zu hieven, und mal so richtig den Chef an Board eines Raumkreuzers raushängen zu lassen, waren ausschlaggebend für den Kauf dieser Softwareperle - btw. USK ab 16 Jahren.
Zuvor wollte ich mich ein wenig tiefer mit dem Mass Effect Universum vertraut machen, deshalb kaufte ich mir den offiziellen Roman zum Spiel. Das Buch, Teil 1 einer Serie, handelt von den Ereignissen vor denen im Videospiel. Wer noch plant das Buch zu lesen, sollte bei diesem Absatz nun aufhören zu lesen und gleich mit dem Nächsten weitermachen. Die Lektüre erzählt die Geschichte von Davin Anderson, ein Anwärter auf die Specters, der, mit einem gemeinen Alien namens Saren, ein druchgeknallten Wissenschaftler, der illegale KI-Forschung betreibt, stoppt, dabei rettet Anderson eine Blondine namens Kahlee Sanders, wird von Saren reingelegt, und verliert dadurch die Möglichkeit auf einen Posten als Specter.
Die Geschichte im Spiel handelt einige Jahre später über eine Menschen dessen Namen, Talente, Vorgeschichte, Aussehen und Geschlecht man selbst bestimmen kann. Je nach Wahl verhält sich das Spiel anders, einige Außerirdische nehmen zum Beispiel Anteil an der schweren Kindheit, sofern man sich für eine solche Vorgeschichte entschieden hat.
Ich entschied mich für eine schwere Kindheit, wählte die Fertigkeiten eines Technikers und gestaltete meinen Spieler äußerlich nach den allmächtigen Meister - Glatze, normaler Körperbau, leicht gebräuntes Gesicht. Der Rest verblieb auf den Standardeinstellungen.
Kaum war der Charakter erstellt, ging das Spiel auch schon los, und präsentierte mir einen ansehnlichen aber im Spiel viel oft auftauchenden Ladebildschirm. Das Intro ist durch die imposante Grafikengine ein Augenschmauß. Der Gedanke dass die gezeigten Szenen in Spielgrafik sind, bereitet eine gewisse Vorfreude. Kaum ist das Intro vorüber, wird man wieder von einem Ladebildschirm begrüßt, danach die erste Konversation.

Alles beginnt mit dem Gespräch auf einem der fortschrittlichsten Raumschiffe der Erdallianz: Der Normandy. Ein außerirdischer Turianer, optisch eine Mischung aus Vogel und Mensch, will mich auf einer Mission begleiten. Natürlich nicht ohne Grund, der Turianer ist gekommen um mich als möglicher Specter zu prüfen. Specters können in der Galaxis frei handeln und müssen keine Beschränkungen beachten, sie unterstehen nur dem Rat welcher aus einer Gruppierung verschiedener Völker besteht und über die Galaxis regiert.
Natürlich läuft auf der viel zu kurzen Mission einiges schief sodass man sich schließlich vor dem Rat rechtfertigen muss. Von dem Schlachtfeld ins Büro, kaum hat man sich mit dem Kampfsystem vertraut gemacht, muss man sich mit langweiligen Dialogen und Botendiensten auf der Citadel - riesige Weltraumstation und Versammlungsort der Ratsvölker - rumschlagen. Glücklicherweise wird man schon bald zum Specter ernannt, und darf sich mit Raumschiff die verschiedenen Welten besuchen.
Ausgangspunkt in Mass Effect ist immer die Normandy, von dort berät man sich mit seiner Crew und bestimmt den nächsten Zielort. Auf einer galaktischen Karte sind unzählige Welten verzeichnet, die Meisten kann man nicht bereisen, erfährt höchstens etwas über deren Geschichte und Vegetation. Ansonsten bietet die Normandy wenig sehenswertes, einen Spaziergang durch das Schiff sollte man aber trotzdem wagen, sie ist frei begehbar.
Neben der Hauptgeschichte können noch mehrere Nebenquests absolviert werden. Verlässt man den roten Faden, wird es allerdings schnell langweilig. Die Missionen laufen immer nach dem gleichen Prinzip ab: Aufspüren, diskutieren, ballern. Viel schlimmer sind allerdings die Fahrten mit dem Buggy auf der Planetenoberfläche, vor Mass Effect bin ich noch nie am Steuer eingeschlafen. Die Gespräche ähneln sich auch sehr stark. Obwohl man das Gespräch indirekt über Dialogoptionen steuern kann, ist die Wahl meistens belanglos da der alter Ego sowieso immer das Gleiche von sich gibt.
Gekämpft wird im Spiel vorzugsweise im Team aus drei Crewmitgliedern, vor jeder Mission kann man das passende Trio zusammenstellen, und es entsprechend mit Waffen ausrüsten. Danach geht es auch gleich ins kalte Wasser, denn über die vielen Rollenspiel-typischen Optionen wird man nicht aufgeklärt. Das Trial & Error Prinzip hat mir die ersten Stunden in Mass Effect leicht gemacht, trotzdem musste ich viele virtuelle Tode sterben, bis ich endlich alle Menüpunkte weitreichend verstanden habe.
Die Teammitglieder sowie Kontrahenten haben einen außergewöhnlichen IQ in Größe einer Erbse - KI hat viele Aussetzer. Zum Beispiel bleiben Gegner manchmal hinter der Deckung und ballern dagegen, gleiches mit den Teamkollegen. Immerhin werfen die Kameraden und Kameradinnen keine Handgranate gegen die eigene Deckung, und lassen uns alle damit hochgehen, wie in Halo3 oft geschehen. Dafür bleiben die Helferlein gerne vor einer Kiste stehen und kommen nicht weiter.
Aber genug gemeckert, Mass Effect ist trotz seiner Mängel ein gutes Spiel geworden. Betrachtet man nämlich das Gesamtbild, sind dies nur kleine Kratzer auf einem ansonsten wunderschönen Meisterwerk. Wie schon erwähnt versetzt einem die Grafik immer wieder ins staunen, das Licht blendet, Wasser spiegelt sich, die Gesichter von Außerirdischen und Menschen sind bis auf das kleinste Detail modelliert.
Selbst bei weitläufigen Levels in denen man mit Fahrzeugen unterwegs ist, bleibt die Grafik sehr detailliert, obgleich es manchmal etwas dauert bis ein Objekt in seiner ganzen Pracht auf dem Bildschirm angezeigt wird. Ein Filmfilter verpasst dem Spiel zusätzlich ein cineastischen Look, was die Atmosphäre nur stärkt bzw. das Spiel spannender macht.
Die Steuerung ist trotz vieler Optionen simpel, schwierige Tastenkombinationen muss man nicht kennen. Selbst wenn man Mass Effect für 1-2 Monate beiseite legt, kommt man durch die intuitive Steuerung schnell wieder ins Spiel.
Im Gegensatz zu den Nebenquestens in denen man hauptsächlich mit Fahrzeug die Planetenoberfläche erforscht und Gebäudekomplexe infitriert, gestalten sich die Hauptmissionen abwechslungsreicher. Ob das Entschärfen einer Bombe, eine Schießerei auf einem fahrenden Zug oder das Erkunden einer Höhle, die Umgebung und der Aufgabenbereich sind immer unterschiedlich. Für kurzweilige Unterhaltung sind auch die Botengänge auf der Citadel interessant.

Fast jede Mission bereichert das Spielerkonto mit neuen Kredits, für diese kann man sich neue Waffen oder andere Ausrüstungsgegenstände besorgen. An vielen Orten finden sich Händler bei denen man einkaufen kann - selbst in der Normandy. Als Techniker habe ich allerdings alle Kisten und Schränke die ich gefunden habe aufgebrochen, und die Händler im Endeffekt nur für den Verkauf genutzt.
Neben den weitläufigen aber eintönigen Planetenoberflächen, ist der Levelaufbau sehr linear. Selten begegnen einem Abzweigungen, wenn mal doch, dann lässt sich der Weg auf einer Karte im Startmenü weiter verfolgen. Ein Blick auf die Karte ist, besonders auf der Citadel, sehr zu empfehlen. Oft wird man beim betreten eines neuen Spielabschnitt durch eine kleine Ladezeit unterbrochen, wenn man nicht weiß wo es als nächstes hingeht, kann dies auf Dauer die Nerven strapazieren.
Durch den Levelaufstieg verbessern sich auch die Fertigkeiten aller Teammitglieder. Konnte ich Anfangs froh sein, ein Scharfschützengewehr halbwegs grade zu halten, war ich gegen Ende ein Meisterschütze und konnte jedes Sicherheitssystem knacken. Sobald man eine Stufe aufgestiegen ist, hat man die Wahl und kann sich für eine der vielen Fertigkeiten wie Fitness oder Kommando entscheiden. Sobald Mass Effect einmal durchgespielt ist, kann der gewählte Charakter mit voller Ausrüstung und erspielten Fertigkeiten für ein neues Spiel gewählt werden. Außerdem wird ein neuer Schwierigkeitsgrad freigeschaltet, der, wie der Name Hardcore schon andeuten lässt, nur etwas für Verrückte und Gamescorehuren ist.
Gegen Ende von Mass Effect entwickelt sich eine Liebesromanze zwischen dem alter Ego und einem weiblichen Crewmitglied. Es ist dabei egal ob man sich für einen männlichen oder weiblichen Spielcharakter entschieden hat. Entweder man geht eine Beziehung mit einer außerirdischen Asari oder einer menschlichen Frau ein. Je nachdem mit welcher man in die Kiste hüpft, wird eine andere Liebesanimation angezeigt. Es wird dabei deutlich offener mit Sex umgegangen als in anderen Videospielen, trotzdem bleiben die wichtigsten Stellen verdeckt wodurch das Spiel auch für jüngere Spieler zumutbar ist.
Obwohl ich kein Freund von spacigen Techno bin, ganz im Gegenteil zu orchestrale Einspielungen von denen es ebenfalls ein paar gibt, war ich von den futuristisch angehauchten Musikstücken sehr beeindruckt. Egal in welcher Situation man sich gerade befindet, die Musikwahl passt immer zum Geschehen und stört selbst bei längeren Abschnitten nicht. Auch die deutschen Synchronsprecher machen ihre Arbeit gut, sogar auf Akzente wurde geachtet - kein Elten und keine gelangweilten Sprecher.
Einen Multiplayer gibt es nicht, damit reiht sich Mass Effect bei vielen Genre-Vertretern mit ein. Eigentlich schade, hätte man doch so viel aus dem Spielkonzept machen können. In den Missionen ist man sowieso immer in Teams unterwegs, da wäre ein Koop-Modus über das Online-Netzwerk ein traumhaftes Spielerlebnis geworden.
Fazit
War ich Anfangs in Mass Effect durch die vielen kleinen Fehler ziemlich frustriert, hat sich meine Laune im laufe des Spiels in Freude umgeschlagen. Die Geschichte wird unglaublich spannend, mit einem großen Finale am Ende. Die Grafik hat mich trotz vieler Ladepausen ebenfalls begeistert. Es gab Tage da vergaß ich die Zeit und verbrachte Stunden im Mass Effect Universum. Die Motivation steigt bei zunehmender Spielzeit. Als Gelegenheitsspieler brauchte ich 3 Monate für Mass Effect, im Vergleich zu Genrevertretern eine relativ kurze Zeitspanne, trotzdem oder gerade deswegen werde ich mich noch ein weiteres mal ins Abenteuer stürzen.
9 von 10 Punkten
Kategorie(n): Review, Telespiele
Unter den Tags: Aliens, Mass Effect, Review, Rollenspiel, Third Person, Xbox 360

tiffanyjaxc
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