Crackdown

Crackdown

Konkurrenz für GTA oder doch nur ein Sandkasten für ältere Spieler?

Als ich zum Ersten mal von Crackdown hörte, hielt sich meine Begeisterung in Grenzen. Nach unzähligen Stunden GTA-Konsum, kam eine Alternative für mich überhaupt nicht in Frage. Vielleicht waren es auch nur die unzähligen Enttäuschungen die ich von der Konkurrenz serviert bekam.

Mein erster Schritt war daher in Richtung Xbox Live Marktplatz auf der eine Demo zu Crackdown liegt. Zwar bietet die Demo nur eine von drei Inseln und diese auch nur unter Zeitbegrenzung an, für den Ersteindruck reicht es aber vollkommen aus.

Ärgerte man sich zum Beispiel schon in der Demo über fehlende Storyelemente, so wird man sie auch im Hauptspiel vermissen. Bis auf wenige Zwischensequenzen die eigentlich nur als Einleitung gedacht sind fehlt es an spannenden Geschichten. Selbst eine IKEA Bauanleitung besitzt größeren Tiefgang und die kommen bekanntlich ohne Text aus.

Äußerlich sieht Crackdown wie ein verbessertes GTA im Comiclook aus. Kein Wunder, schlummert doch unter der Haube die Renderware Engine die auch schon in Teil3 der GTA-Serie zum Einsatz kam. Glücklicherweise wurden in Crackdown nicht dieselben Fehler wie in GTA gemacht, selbst bei schnellen Stadtbesichtigungen wird die Umgebung perfekt angezeigt. Gebäude die aus dem Nichts auftauchen gehören der Vergangenheit an.

Gelingt man auf ein hohes Gebäude ist die Weitsicht phänomenal. Von der Agency, dem Startpunkt in Crackdown und gleichzeitig eines der höchsten Gebäude, überblickt man alle drei Inseln. Ein Ausblick den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Das Wichtigste bei Crackdown sind aber die Ladezeiten, sie sind praktisch kaum vorhanden. Nur bei Spielstart und Ableben in der virtuellen Spielwelt kommt ein Ladescreen zum Einsatz. Bei einer so großen Spielwelt wie in Crackdown ist das eine beachtliche Rechenleistung.

Die Steuerung im Spiel ist sehr eingängig, nach ein paar Stunden Spielzeit kommt man gut damit zurecht. Wer schon die GTA-Serie an einer Konsole gespielt hat wird intuitiv die richtigen Tasten drücken.

Störend ist nur der fehlende Kamerawechsel, nur über den rechten Analogstick ist der Blickwinkel beeinflussbar. Wenn man zu Fuß unterwegs ist fällt dieses Manko nicht weiter auf, im Auto stört es dann aber schon wenn die nächste Kreuzung nicht so gut zu erkennen ist.

An ein ordentliches Zielsystem wurde in Crackdown auch gedacht. So visiert man den Gegner auf Tastendruck an und schon hat man die Wahl zwischen Kopf, Arm, Bein oder im falle eine Fortbewegungsmittels Kühler, Reifen und Heck. Zwischen den einzelnen Teilen wählt man über den rechten Analogstick, ein kleines Icon über den Gegner verrät auf was gezielt wird.

Die Explosionen in Crackdown sehen nicht nur gut aus, sie hören sich auch gut an, und dank Dolby Digital-Unterstützung ist selbst ein Klangfetischist zufrieden.

Die Motorgeräusche der Autos sind hingegen gewöhnungsbedürftig, anstatt verführerischen Knurrens hören sich manche Fahrzeuge wie Miele Staubsauger an. Andererseits ist das Spielsetting in Crackdown futuristisch, wer weis, vielleicht baut Miele in der Zukunft das eine oder andere Auto.

Wie schon erwähnt spielt Crackdown in der Zukunft, steuert sich wie GTA und sieht in vielerlei Hinsicht sogar besser aus. Alles zusammen ist die perfekte Mischung wenn ein Storymodus im Spiel integriert wäre, da aber genau dieser fehlt wurden andere Elemente ins Spiel eingebaut die für einige Zeit ablenken sollen.

Eines dieser Elemente sind so genannte Orbs. Das sind grüne Objekte die auf den Dächern der Gebäude versteckt sind und darauf warten eingesammelt zu werden. Genau 300 dieser Orbs sind auf den Inseln verteilt, je mehr man einsammelt umso besser wird die Kondition des Protagonisten im Spiel. Irgendwann sind dann genug eingesammelt um 20m weit zu springen, das erklimmen größerer Gebäude wird dadurch zum Kinderspiel.

Aber nicht nur grüne Orbs verbessern die Fähigkeiten, für jeden getöteten Gegner gibt es Punkte die den Spielcharakter beeinflussen, ähnlich wie in einem Rollenspiel. Sobald genug eingesammelt wurden, verbessern sich die entsprechenden Fähigkeiten. Im Verlauf entwickelt sich so ein kleiner Superheld der mit seiner Kraft mühelos ein Auto oder Stahlcontainer hochgeben kann.

Alternativ zu dem Ansammeln von Fähigkeiten und Orbs warten noch ca. 7 Bosse pro Insel. Jeder dieser Bosse ist stark bewacht und verlangt taktisches Vorgehen. Wenn erstmal alle Bosse einer Insel erledigt wurden verschwinden damit auch die Gegner. Erst wenn alle Bosse besiegt wurden tauchen wieder regelmäßig Gegner auf den Inseln auf.

Die Physikengine erledigt ihr übriges in Crackdown, alles was nicht fest mit dem Boden verbunden ist, kann zerstört und physikalisch korrekt weggeworfen werden. Dahinter steckt natürlich die Havok Physik Engine die auch schon in FarCry oder Half-Life2 zum Einsatz kam. Tote Passanten anzünden und von Gebäuden werfen ist kein größeres Problem, dieser Spaß war wohl ausschlaggebend für die USK dem Spiel kein Siegel zu verpassen.

Ein Multiplayermodus wurde Crackdown auch spendiert, selbst wenn dafür zwei Konsolen oder Xbox Live von Nöten sind. Der Mitspieler kann über den Coop-Modus jederzeit mitspielen, zusammen die Stadt verwüsten macht auch gleich doppelt so viel Spaß.

Leider war es das dann auch schon mit dem Multiplayer-Modus, reine Deathmatch Kampagnen sind nicht möglich und mit bis zu zwei Spielern ist der Coop Modus auf Dauer eintönig. Allerdings ist es dem Entwickler überlassen mittels Patches noch einen nachzureichen.

Fazit
Im Endeffekt ist Crackdown trotz der Schwächen ein sehr gutes Spiel geworden. Ein Must-Have ist es meiner Meinung jedoch nicht geworden, dafür fehlt der rote Faden im Spiel. Ein Storymodus hätte Crackdown gut getan, das sammeln von Orbs wird nach einer Zeit langweilig. Der Coop Modus macht hingegen richtig Spaß, zusammen gegen den Rest der Welt. Sobald alle Bosse In Crackdown erledigt wurden bietet das Spiel für mich keine Unterhaltung mehr - schade da nicht viel fehlte zum Hit.

8 von 10 Punkten

Verfasst am 14.03.08, um 14:44 Uhr, von rotfuchs
Kategorie(n): Review, Telespiele
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